Spieltherapie / Sandspieltherapie




Das Spiel ist die Sprache des Kindes. Kinder drücken sich im Spiel aus, um Erlebtes zu verarbeiten.

Nicht Worte, sondern Handlungen stehen im Mittelpunkt der Spieltherapie. In der Spieltherapie kommt das Kind in Kontakt zu seinen Gefühlen, kann sie symbolisch-spielerisch darstellen und zum Ausdruck bringen. Die Spieltherapie eignet sich für Kinder mit emotionalen und/oder psychosomatischen Problemen (z.B. Trennungsängsten, aggressiven Verhaltensformen, sozialen Unsicher- heiten, bei Symptomen wie z.B. Einnässen usw.).

Die Sandspieltherapie ist von der schweizer Therapeutin Dora Kalff entwickelt worden und gilt inzwischen als ein weltweit anerkanntes Verfahren.  Einerseits dient sie diagnostischen Zwecken, andererseits können aber auch therapeutische Prozesse auf der nonverbalen Ebene in Gang gesetzt werden. Inzwischen wird die Sandspieltherapie auch bei Erwachsenen eingesetzt, besondere Vorteile hat sie jedoch in der Arbeit mit Kinden.


Ein Beispiel: 

Die sechsjährige Carla (Name geändert) wurde von ihren Eltern zur Spieltherapie angemeldet, weil sie vor geraumer Zeit das Sprechen eingestellt und begonnen hatte, einzunässen.

Carla wirkte sehr schüchtern, als sie zum ersten Termin gemeinsam mit ihrer Mutter in die Praxis kam. Sie saß bei ihrer Mutter auf dem Schoss und verbarg ihr Gesicht hinter ihren Händen. Ich „spiegelte“ als Therapeut ihr Verhalten und sagte: „Ich will gar nicht hier sein, ich kenne diesen Mann da gar nicht, deshalb verstecke ich mich und sitze bei Mama auf dem Schoss! Am liebsten würde ich mit Mama wieder gehen!" Plötzlich schien es so, als ob sich Carla von mir wahrgenommen und ernst genommen fühlte. Sie blinzelte mich durch ihre Finger hindurch an und lächelte kurz. Das Eis war gebrochen. Carla nahm von nun an regelmäßig an der Spieltherapie teil. In diesen Stunden respektierte ich Carla mit all ihren Gefühlen und zeigte ihr, dass ich sie ernst nehme, auch wenn sie sich wütend, traurig oder aggressiv fühlte. Denn: Ein wichtiger Bestandteil der Spieltherapie ist es, das Kind so anzunehmen, wie es ist und ihm damit zu zeigen: „Du bist okay, so wie du bist!" 

Carla konnte sich im Verlauf der Heilpädagogischen Spieltherapie nach und nach öffnen. Es stellte sich heraus, dass der Grund für ihre "Symptome" die Schwangerschaft ihrer Mutter und die Eifersucht auf ihr ungeborenes Geschwisterkind waren. Carla konnte ihre Gefühle jedoch nicht in Worte fassen. Ihr Verhalten, das Schweigen und das Einnässen, sollten zeigen: Ich bin auch noch da und ich bin eifersüchtig auf das Baby. 

Dieses Praxisbeispiel macht deutlich, dass eine bestimmte therapeutische Haltung in der Spieltherapie grundlegend ist: Das Kind führt, der Therapeut folgt!